Darf ich vorstellen: Yeowon Jung

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Yeowon ist 23 Jahre alt und schon etwas länger mit der Kunst vertraut: Schon als Kind kam die junge Koreanerin durch ihre Mutter, einer Kunstlehrerin, mit künstlerischen Prozessen in Berührung. Ihre Mutter war es auch, die es ihr beigebracht hat, Dinge des Alltags aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten sowie neu zu deuten.

Ihr Konzept für die Stadt Singen muss sich noch etwas festigen, es ist nicht leicht, vorab eine konkrete Idee für einen Ort zu entwickeln, ohne diesen jemals zuvor gesehen zu haben. Bevor sie jedoch ihre Reise in die noch unbekannte Stadt angetreten hat, hat sie sich über das Internet schlau gemacht und ist auf eine Parallele zu ihrem Studienort Halle gestoßen: Beide Städte haben eine Burg! Da die Künstlerin immer schon in die Natur gegangen ist, um zu zeichnen, und ihre Recherchen ein Interesse für den Hohentwiel geweckt haben, steht eines schon fest: Sie möchte unsere Ruine zeichnen. Ist es nicht spannend, dass beide Burgen eine ganz andere Geschichte erzählen? Während die Burg Giebichenstein in Halle als Lehrort genutzt wird und folglich nur so vor Leben „strotzt“, ist der Hohentwiel derzeit als Ruine durch einen völligen Leerstand gekennzeichnet. So kann sich Yeowon vorstellen, mit diesen beiden Polen zu spielen – gar beide Burgen in einer Zeichnung zu vereinen!

Dafür möchte sie zunächst mit Papier und Stift beginnen, um anschließend vielleicht sogar eine dreidimensionale Arbeit, das Modell einer Burg, entwerfen zu können.
Yeowon empfindet unsere Burg durch ihre Massivität und den kalten Stein als abweisend und möchte ihr im wahrsten Sinne des Wortes „Leben einhauchen“. So denkt sie darüber nach, Zeichnungen für eine Kindergeschichte zu entwerfen, in welchen unsere Ruine womöglich eine völlig neue Gestalt erhalten wird.

Den Sinn für die sie umgebende Umwelt findet sich bereits in ihren alten Arbeiten wieder: So hat Yeowon in Halle beispielsweise Pflanzen sehr genau studiert und diese detailgetreu wiedergegeben.
In ihrem Schaffen wird die Künstlerin durch ihre Mutter, aber auch durch ihre Professorin Andrea Zaumseil, geprägt. Das prozesshafte Arbeiten ihrer Lehrerin ist das, für was sie sich begeistern kann. Wenn sie ihre Arbeiten ansieht, so fühlt sie sich sehr ruhig und gleichzeitig stark.

Wie auch Jihyun hat die Künstlerin keinen allzu starken Bezug zu koreanischer Kunst. Interessant ist aber, dass sie für kurze Zeit eine private Kunstschule in Korea besucht hat, deren Lehrmethoden im Vergleich zu jenen in Deutschland die Freiheit des einzelnen Kunstschaffenden einzuschränken scheinen. So müssen die Studierenden für eine lange Zeit durch die Mühle der klassischen Schule, was bedeutet, dass sie zunächst einfach nur stupide das abmalen müssen, was ihnen vorgesetzt wird. Technisches Können steht dement-sprechend zunächst an erster Stelle, erst später kann es zur Entfaltung der eigenen Kreativität kommen.

Und was geht ihr zu Singen durch den Kopf? Lustigerweise erinnert sie ihr neuer Aufenthaltsort an ihre Heimatstadt in Korea! Die Künstlerin sieht das Projekt „Komm und Guck“ als intensive Erfahrung und hat sich sehr gefreut, bei der Projekteröffnung am Sonntag sogar vom Bürgermeister begrüßt zu werden!

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